Die Geschichte des Weinguts in der südlichen Steiermark reicht zurück ins Jahr 1770. Der Streuhof besteht aus mehreren Gebäuden unterschiedlicher Epochen, die im Laufe der Zeit ihre Funktionen veränderten um den benötigten Arbeitsabläufen Raum zu geben.

Das älteste Gebäude des Weinguts, dessen Keller als Verkostungs- und Lagerräumlichkeiten genutzt wurden, entsprach nicht mehr den Erfordernissen der Winzerin. Die Kellerräume waren für einen flüssigen Arbeitsablauf nicht entsprechend ausgelegt. Es galt das Credo der Weine – klar, elegant und zeitlos – in eine adäquate architektonische Sprache zu übersetzen und das Zusammenspiel aus Verkauf, Büro, Lager und Archiv in seinen Funktionen zu optimieren.

Der Weinkeller befindet sich unter einem typischen südsteirischen Bauernhaus, das ursprünglich, neben der Produktion von Wein, auch als Wohnraum gedient hat. Während sich die Kellerräumlichkeiten Richtung Osten tief in den Hang der Hügelkette vergraben, öffnet sich das untere Geschoss gegen Westen, aus dem Erdreich über die Weinhänge des Steinbachtals.

Im Mittelpunkt des neu organisierten Kellers liegt der Verkaufs- und Verkostungsbereich, der über einen zentralen Eingang in der Westfassade erschlossen wird. Der vordere Teil des L-förmige Kundenbereichs ist mit mobilen Themenwägen möbliert, die immer anders angeordnet, eine flexible Nutzung dieser Zone ermöglichen. Aus Ulmenholz und Messing gefertigt, bieten sie den Gästen unterschiedliche Funktionen rund um das Thema Wein. So lädt der Bücherwagen zum Lesen von Zeitschriften und Katalogen ein, am Wasserwagen kann frisches Quellwasser entnommen werden und am Produktwagen kann von Honig bis zum Verjus und Edelbränden frei gustiert werden. Dieser Aufenthaltsbereich wird von einer schwarzblauen Wandvertäfelung von den dahinterliegenden Toiletten und dem Technikbereich abgeschirmt. Dass diese Holzverkleidung öffenbare Türelemente zu weiteren Räumen und Stauflächen beinhaltet, ist dank präziser Tischlerarbeit für außenstehende Betrachter nicht ersichtlich.

Weiter im Inneren des Steinbachkellers wird der Fokus gänzlich auf das Thema Wein gelegt. An der langen Weintheke wird durch gebündeltes Licht von oben die Aufmerksamkeit auf das Produkt im Glas gelenkt. Das Rückgrat der Theke bildet ein schmaler, ebenso langer Weinkühler, der auch als Wasserstelle dient. Die petrolfarbene Wandfarbe entlang dieses Möbels wurde als Deckenuntersicht bis zur Theke fortgesetzt und bildet so einen beschützenden, atmosphärischen Raum für Verkoster und Besucher.

Eine Regalwand aus U-förmigen Nusselementen, gefüllt mit Weinflaschen und Weinkartons, zieht sich vom Verkostungsbereich in den anschließenden Magnumraum. In mystischer Beleuchtung wird den dort gelagerten Großflaschen die entsprechende Wertigkeit zugesprochen. Wohlgeformte Deckenlampen hängen in unterschiedlichen Höhen entlang eines alten Pressbaumes mittig im Raum und lassen auf die Vielfalt der hier deponierten Flaschen, von der Magnum bis zum Balthazar, schliessen.

 

Folgt man der Achse des Verkostungsraumes in nördlicher Richtung, gelangt man über den ehemaligen Kellereingang in das Weinarchiv und über einen Verbindungsraum ins obere Geschoss. Dort wurde eine Rippe des Tonnengewölbes abgebrochen um einer Treppe aus Stahl Platz zu geben. In der Decke verankert, hält sie respektvoll Abstand zum Boden des Kellers und vermag als autonomes Objekt seinen Betrachter zu illusionieren.

 

Als verbindendes Element zieht sich ein hellgrauer Terrazzo mit geschliffenen, haselnussgroßen Flusssteinen durch die Kellerräumlichkeiten. Umfasst wird der Boden von einer feinen Messingschiene und einem Fries aus Eichenholz. Die Möbel aus massiver Nuss und Ulme zeigen die Wertschätzung gegenüber lokaler Handarbeit und bringen Eleganz und Feingefühl in die historischen Kellergemäuer.

 

Information

dipl. ing. ulrike tinnacher
ballhausgasse 3
8010 graz
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0664 42 10 607

entwürfe:
ulrike tinnacher

fotos:
simon oberhofer, wolfgang croce, paul stajan, ulrike tinnacher

möbel, tischlerarbeiten:
breitenthaler

baufirma:
röck gmbh

webdesign:
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